„Weißt Du, wo der Himmel ist…?“

Wenn Menschen sterben kommen sie in den Himmel. So wird es oft Kindern erklärt. Aber oft sind Kindern allein mit dieser Antwort nicht zufrieden. Sie fragen dann nach und wollen mehr erfahren. So erleben wir es oftmals in unserem Familienzentrum und haben daraufhin beschlossen im Rahmen der Vorschulkinderarbeit hierzu eine Projektwoche anzubieten.
Als wir dann anfingen, uns mit dem Thema „Tod und Trauer“ zu beschäftigen, stellten wir schnell fest, dass wir zunächst auch im Team hier ganz schnell an unsere eigenen Grenzen stießen.
Unterschiedliche Geschichte und Erlebnisse machen das Thema schwer, Emotionen spielen eine große Rolle.
Die meisten Menschen sind hilflos, wenn es gilt mit Kindern über den Tod zu sprechen.
Von Trauerprozessen werden Kinder oft herausgenommen und lernen so schon früh, dass Tod und Trauer ein Tabu sind.
Wir beschlossen letztendlich den geschützten Raum unserer Kindertagesstätte zu nutzen, um die Kinder behutsam an ein schwieriges Thema heranzuführen und somit dieses Tabu zu brechen.
Zunächst boten wir den Eltern einen Nachmittag an, an dem wir sie über unser Projekt informieren wollten, sie aber auch gleichzeitig mit ins Boot holten, indem wir über eigene Erfahrungen und Geschichten sprachen.
Die anwesenden Eltern meldeten uns am Ende zurück, wie wichtig dieser Nachmittag für sie war,
sei es um Infos zu bekommen oder auch um sich mit eigenen Ängsten auseinanderzusetzen.
Wir danken ihnen an dieser Stelle für das Vertrauen, dass sie uns entgegengebracht haben.

 

In der Projektwoche mit den Kindern haben dann immer wiederkehrende Rituale den Kindern den Einstieg in das Thema erleichtern.
– Zum Einstieg, dass Entzünden einer Kerze mit einem kurzen Satz:
„Gott ist bei uns mit seinem Licht. Wo wir auch sind, er ist immer da!“
– Dann ein Lied: „Weißt Du wo der Himmel ist…“
– Zum Abschluss ein gemeinsames Gebet:
„Lieber Gott,
sei Du bei uns, wenn wir traurig sind.
Sei Du bei uns, wenn wir fröhlich sind.
Sei Du bei allen Menschen hier auf der Erde und im Himmel!Amen….“

Am Montag ging es dann los, der 1. Projekttag mit den Kindern stand an.
Wir hatten ein Bilderbuch gewählt, in dem unserer Meinung nach alle Facetten von Tod und Trauer auf kindliche, aber sehr eindrucksvolle Art und Weise dargestellt wurden.

 

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(Von Ulf Nilsson und Anna-Clara Tidholm

„Adieu, Herr Muffin“ aus dem Moritzverlag

Bilderbuch. Aus dem Schwedischen von Ole Könnecke

40 S., Pappband in Fadenheftung

ISBN 978-3-89565-148-9

Ab 4 Jahre)

 

 

„Adieu, Herr Muffin“ begleitete uns alle drei Tage und stellte den roten Faden für die Kinder dar, an dem sie sich immer wieder orientieren konnten.
Nach der Betrachtung des Buches zogen wir uns in zwei Gruppen zurück, um verschieden Fragen gemeinsam zu überlegen: War ich auch schon mal traurig? Wie kann „Darüber reden“ trösten?

Am Dienstag machten wir uns auf den Weg. Nach unserem Anfangsritual im Kirchsaal, gingen wir mit unserer Kerze zum Beerdigungsinstitut Berges.

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Dort im Trauerraum konnten wir einen Sarg und eine Urne sehen und die Mitarbeiter erklärten uns, wie eine Trauerfeier abläuft und auch wonach Hinterbliebene den Sarg oder die Urne auswählen. Die Kinder konnten Fragen stellen und sich genau umschauen.

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Auch hier begegnete uns Herr Muffin und unser Ritual.

Außerdem bestand die Möglichkeit eine Kerze entzünden,

für diejenigen, die wir vermissen, da sie verstorben sind.

 

 

Unser nächster Weg führte uns auf den Niederpleiser Friedhof.

 

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Gemeinsam hatten wir ja schon überlegt, was uns Trost spenden kann. So machten wir uns auf den Weg auf den Grabstätten Hoffnungssymbole zu finden und aufzuzeichnen.
Bei einem anschließenden Besuch der kath. Kirche Sankt Martinus schauten wir uns gemeinsam unsere Zeichnungen an und besprachen, was uns Hoffnung gibt.

 

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Der Weg zurück in die Kita führte uns über den Friedhof, vorbei an dem Grab der Oma eines unserer Vorschulkinder.

Genau dort sang, wie im Buch von Herrn Muffin, ein Vogel ein Lied für uns.

 

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Viele Fragen, aber auch Emotionen und der klare Blick der Kinder machten diesen Ausflug zu einem großartigen
Erlebnis.

Am letzten Tag unseres Projektes luden wir auch wieder die Eltern ein. Wir trafen uns im Kirchsaal und teilten die
Erlebnisse der letzten Tage miteinander.

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Es war ein besonderes Projekt und sowohl Kinder, Eltern als auch die

Mitarbeiter waren am Ende beeindruckt und auch ein bisschen

nachdenklich.

Wir sind sicher, dass wir dies im kommenden Jahr wieder erleben möchten.

 

 

 

 

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